Mittwoch, 17. Juli 2013

Picknick.

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Im großen Park liegt ausgebreitet die kleine alte Decke mit dem Riss in der Mitte. An ihrem Karomuster kleben vertrocknete Blätter und welkende Blumen. Auf ihr liegt der noch kleinere Junge. Zweifelhaft blickt er in den Himmel und versucht erschöpfend naheliegende Tiere wie Schafe und Pferde in den Wolken zu erkennen. Doch für ihn sind sie nur große Ansammlungen von feinen Wassertropfen, die irgendwann mal zu Regen und dann zu griesgrämigen Gesichtern werden. Er ist einfach nicht wie die Anderen. Aber das weiß er selbst am besten. Er liegt hier nicht, um zu rauchen, sich zu betrinken oder gar um Dinge einzuleiten, die Verliebte halt so machen, wenn sie verliebt sind. Er liegt einfach nur da, um zu liegen. Und das tut ihm gut. In den letzten Tagen, vielleicht sogar Wochen, hat er sich selbst verloren. Den Blick von sich gelassen und eventuell vergessen. Man selbst ist sich in dieser Beziehung doch sein eigenes Haus. Nur er war viel zu oft in der Fremde, wenn man es so sehen mag. Wollte sich ablenken. Wollte andocken. Irgendwo ankommen. Nur nicht daheim. Denn Zu Hause ist ein Ort, wo man nachdenken kann. Es manchmal sogar muss. Und mit schwerem Kopf wollte er nie am leeren Tisch sitzen. Nun liegt er hier und blickt hinab auf seine in der Sonne schillernde Haut, auf die Menschen mit breiten wasserfesten Stiften Wörter wie ,,Du musst" und ,,Du sollst" geschrieben haben. Nur heute will er nichts müssen. Heute muss er nichts sollen. Heute möchte er einfach nur leben um zu leben. Möchte die Augen schließen und alle kleinen Menschenklone um sich herum ausblenden, anstatt sie zu beobachten. Er möchte sich in Zeitlosigkeit üben. Möchte Sinnhaftiges vergessen um selbst der Sinn zu werden. Und er möchte die Liebe einfach Liebe sein lassen. Wenn das doch so einfach wäre. Da liegt dieser noch kleinere Junge im Park auf seiner kleinen Karodecke mit Riss, nur um zu liegen und Abstand von seinem fast perfekten Leben zu bekommen. Abstand von Allem. Und Abstand von Nichts. Er macht die Augen auf und begibt sich auf Augenhöhe mit den geklonten Menschen um ihn herum. Glück kann erdrücken, denkt er. Aber nur, weil man das Unglück so gewohnt ist. Er rollt diesen Gedanken in seine Decke ein und geht nach Haus. Nicht nur in die gewohnten tristen vier Wände, sondern auch in sich. Und das ist das angekommen, von dem er sich so viel erträumte und von dem er noch träumen wird.

7 Küsschen:

headlessandhappy hat gesagt…

toller Text! ♥

Anonym hat gesagt…

Du schreibst wundervolle Texte!

headlessandhappy hat gesagt…

sie hat erst 24 Leser :)

Grüsse ♥

Tamy hat gesagt…

Dein Blog ist wirklich toll und ich mag deine Texte sehr ;)
Ich hoffe du hast eine schönen Wochenende

This is a beginning hat gesagt…

Meine Fresse, Ich bin einfach ein riesen-Fan Deines Blogs! Du schreibst zu gut! Ich habe im Rahmen unserer kleinen Foto-Aktion neulich nun einen klitze-kleinen Blogtipp verfasst, der die Tage online gehen wird.
Wenn Du sowas generell blöd findest, protestiere bitte jetzt! :)

Marcus hat gesagt…

Danke!
Du hast echt Talent zum schreiben, schon mal überlegt Autor oder sowas in der Richtung zu machen?

Pumkin Purr hat gesagt…

Dankeschön! :3

Der Text ist richtig toll! Du hast wirklich großes Talent :)